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Kurzfassung: Der Text erläutert, warum negative Zentralbankzinsen ein zentrales geldpolitisches Instrument sind, um wirtschaftliche Stabilität, soziale Sicherheit und ökologische Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden. Niedrige bis negative Zinsen entlasten Staaten und Unternehmen, erhöhen die fiskalische Handlungsfähigkeit und schaffen die Grundlage für Vollbeschäftigung. Gleichzeitig verringern sie den Druck, ständig neue renditeträchtige, oft ökologisch schädliche Produktions- und Investitionsfelder zu erschließen.
Ein entscheidender Hebel ist dabei die Überwindung der Nullzinsgrenze durch das Instrument einer Bargeldgebühr. Die Negativzinspolitik schafft den notwendigen Paradigmenwechsel, um von einer wachstumsgetriebenen Ökonomie zu einer nachhaltigen, ökologischen Marktwirtschaft zu gelangen.
Zentrale Positionen der zitierten Autorinnen und Autoren
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Kenneth Rogoff argumentiert, dass tief negative Zinsen in Krisen Nachfrage und Beschäftigung stabilisieren können:
„Negativzinsen würden … viele Firmen, Staaten und Kommunen aus der Zahlungsunfähigkeit befreien“ (Rogoff 2020, Project Syndicate).
Er betont zudem, dass Bargeldhorten das größte Hindernis darstellt, dieses aber politisch lösbar ist (Rogoff 2017, Journal of Economic Perspectives). -
Ruchir Agarwal hebt hervor, dass künftige schwere Rezessionen ohne zusätzlichen Zinsspielraum kaum zu bewältigen sind:
„Schwere Rezessionen … erforderten eine Senkung der Leitzinsen um 3–6 Prozentpunkte“ (Agarwal 2019, IMF-Blog).
Diesen Spielraum haben die Notenbanken nicht, solange ihnen der Minus-Zins Bereich nicht zur Verfügung steht.
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Miles Kimball betont, dass die Nullzinsgrenze keine Naturgegebenheit ist:
„Die Untergrenze von Null ist jedoch kein Naturgesetz, sondern eine politische Entscheidung.“ … Die Zentralbank kann „mit leicht verfügbaren Instrumenten jederzeit tiefe negative Zinssätze ermöglichen – und damit […] Rezessionen innerhalb kurzer Zeit zu beenden. “ (Agarwal/Kimball 2019, IMF Working Paper).
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Katrin Assenmacher-Wesche & Signe Krogstrup zeigen auf, dass Bargeld (ohne eine Liquiditätsgebühr) den geldpolitischen Spielraum einschränkt:
„Die Existenz von Bargeld hindert die Zentralbanken daran, die Zinssätze weit unter Null zu senken“ (Assenmacher-Wesche/Krogstrup 2018, IMF WP).
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Ihr Arbeitspapier zielt darauf ab, die Zentralbanken zu ermächtigen:
„eine negative Rendite auf Bargeld zu erzielen, die die Untergrenze für die Geldpolitik aufheben würde “ (Agarwal/Krogstrup 2019, IMF).
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Benoît Cœuré bewertet frühe Erfahrungen mit Negativzinsen im Euroraum positiv:
„Die Senkung der Leitzinsen … gab einen angemessenen geldpolitischen Impuls“ (Cœuré 2014, EZB-Rede).
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Kate Raworth stellt den Bezug zur ökologischen Transformation her:
Eine Währung mit Liegegebühr kann „Investitionen in regenerative Energien fördern“ (Raworth 2017, Doughnut Economics).
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Willem Buiter kritisiert die Zurückhaltung der US-Notenbank und fordert die Abschaffung der Untergrenze:
„Ein Leitzins an der Untergrenze ist … nutzlos“ (Buiter 2020, VoxEU).
Die versammelten Beiträge weisen auf den notwendigen ökonomischen Diskurs hin: Negative Zinsen sind realistisch umsetzbar, geldpolitisch wirksam und entscheidend, um Krisen zu bewältigen, Wachstumszwänge zu reduzieren und eine nachhaltige Wirtschaftsordnung zu ermöglichen.
Die ausführliche Fassung des Textes mit allen Quellen und Zitaten finden Sie hier.
Weiterführende Literatur aus den Jahren 2016 – 2019 findet sich hier und ab 2020 hier.
Klaus Willemsen, 20.01.2026
